Was sind die drei Säulen einer Beziehung, die sie langfristig trägt und stabil hält?
Hast du eine Idee, welche das sein könnten?
Ja genau, die erste ist die Liebe.
Und die zweite? Wenn wir Paare einladen, aus ihren Werten, die sie essenziell für ihre Beziehung finden, einen «Paarleitsatz» zu erstellen, ist diese Säule auch immer dabei: das Vertrauen.
Und die dritte? Diese verursacht manchmal Stirnrunzeln: die Verbindlichkeit.
In diesem Beitrag geht es nun um diese drei Säulen.
Die erste Säule: Die Liebe
Dazu müssen wir wohl nicht viel sagen, oder eben doch?
Denn es gibt etwas, das wir immer wieder beobachten, was der Liebe die Kraft nimmt: wie wir die Liebe verknüpft haben.
Die Lieder besingen es immer wieder: «I want you, I need you. I can’t live without you.» Und das interpretieren wir oft als romantische Liebe. Doch häufig steckt dahinter etwas anderes: Abhängigkeit, die sich als Liebe tarnt.
Unbewusst denke ich also: «Ich brauche dich», anstelle von: «Ich entscheide mich für dich.» Das macht niemand absichtlich. Die Welt war einfach mal zu unsicher, und aus dieser Erfahrung ist diese Verknüpfung entstanden. Doch diese Art Liebe ist leider keine tragfähige Säule für eine Langzeitbeziehung, weil die Liebe des anderen gebraucht wird und sich nicht selbst trägt. Wenn es uns aber gelingt, diese Verknüpfung aufzulösen, entsteht etwas viel Tieferes: eine Liebe ohne Abhängigkeit, die frei ist. Und die Paarbeziehung erleben wir immer wieder als genau den Ort, der dafür gemacht ist, solche ungünstigen Verknüpfungen aufzulösen.
Wenn man solche Verknüpfungen auflöst, bedeutet das nicht, dass man sich nicht mehr anlehnen und Halt suchen darf, das bleibt immer ein Teil dieser schönen Verbindung. Aber es ist dann kein Grundmuster mehr: Man trägt sich viel mehr auch selbst.
Es gibt auch noch diverse andere Muster. Ein weitverbreitetes ist, dass Liebe mit Leistung verknüpft ist, aber dazu ein andermal mehr.
Reflexionsfrage: Ist meine Liebe frei, oder brauche ich den anderen, damit es mir gut geht?
Die zweite Säule: Das Vertrauen
Vertrauen ist fundamental für eine glückliche Beziehung: Wenn es schwierig wird, trägt uns genau das, es ist die tragende Säule für das gemeinsame Wachstum.
Wenn das Vertrauen schwindet, gehen auch die Sicherheit und die Nestwärme verloren. Man kann sich nicht mehr ganz öffnen, weil man sich schützen muss, und beginnt, sich zurückzuhalten, statt sich ganz zu zeigen.
Das, was einer Beziehung ihren wahren Wert gibt – sich echt zu zeigen, sich echt berühren zu lassen –, wird nicht mehr möglich.
Kurz: Ohne Vertrauen wird die Beziehung kühl, distanziert und haltlos, eine glückliche Beziehung ist so nicht möglich.
Das Gute ist, dass Vertrauen gestärkt werden und wieder wachsen kann. Das Anspruchsvolle dabei ist aber, dass es riskiert werden muss, damit das gelingt, hier gibt es wenig Spielraum.
Weil Vertrauen erlebt werden muss und sich nicht einfach «machen» lässt – es wächst nur aus Vertrauen selbst –, arbeiten wir mit euch deshalb auch nicht direkt am Vertrauen selbst oder an einem «Vertrauensproblem», sondern an der Art und Weise, wie ihr euch begegnet. Denn genau daraus erwächst am Ende das Vertrauen. Und die Art, wie ihr euch begegnet, könnt ihr direkt beeinflussen.
Reflexionsfrage: Zeige ich mich wirklich, oder halte ich Teile zurück?
Und die dritte Säule, die häufig unterschätzt wird: Die Verbindlichkeit
Im Englischen heisst es Commitment, das Commitment zueinander und zu dir selbst.
Das Commitment zu dir selbst ist dabei genauso wichtig: Erst dadurch kann ich mich darauf verlassen, dass du zu dir stehst, dass du auf mich zukommst, wenn etwas nicht stimmt, oder dich «wehrst», wenn ich dir Dinge von mir zeige, die schwierig sind, vor denen ich vielleicht selbst Angst habe oder für die ich mich schäme. Etwa dann, wenn jemand sich mit seinen sexuellen Präferenzen zeigt.
Auch dies ist eine Form des Vertrauens.
Es sagt: Du stehst zu mir, nicht nur, wenn alles gut ist, auch wenn ich mich ganz zeige, auch mit meinem ganzen Misthaufen, meinen Verletzungen und Ängsten, und du bleibst da, um mit mir zu wachsen.
Dieses gegenseitige Commitment schafft etwas Einzigartiges: einen Raum, in dem die Beziehung zur Wachstumszone wird, ein Raum für Klärung, für Heilung und für echte, authentische Begegnung mit Herz. Gibt es etwas Schöneres?
Reflexionsfrage: Bleibe ich auch, wenn es schwierig wird, oder ziehe ich mich innerlich zurück?
Tragfähige Beziehungen
So entstehen tragfähige Beziehungen, zusammen mit dem Fundament: dass jeder ganz bei sich ist und zu sich steht.
Mehr dazu im Beitrag Was stärkt eine Beziehung wirklich? – Das Fundament.
Eine glückliche Beziehung ist eine, die beide wachsen lässt und immer tiefer und erfüllter wird, aber auch eine, die Schwierigkeiten tragen kann, Konflikte übersteht und echtes, lebendiges Leben ist, mit allem, was manchmal dazu gehört.
Vielleicht merkst du beim Lesen: Eine dieser Säulen wackelt gerade. Fast alle Paare, die gerade eine schwierige Phase durchleben, erkennen sich in mindestens einer davon wieder, es bedeutet nur: Hier ist gerade Wachstum dran. Dieses Erkennen ist bereits ein wichtiger Schritt, wenn du bereit bist, hinzuschauen.
Es ist unsere Herzensvision, Paare auf diesem Weg zu begleiten.
Wenn du dir Klarheit für euren Weg wünschst, ist das kostenlose und unverbindliche Standortgespräch ein guter erster Schritt. Da schauen wir gemeinsam, wo eure drei Säulen gerade stehen, was euch schon trägt, und was der nächste Schritt für euch sein könnte.
Von Herzen
Raimo

